VW Käfer – Entwicklung der Karosserie 1934–1938

Diese Seite dokumentiert die schrittweise Entwicklung der Karosserie des VW Käfers (intern als Typ 60 bezeichnet) zwischen 1934 und 1938 auf Basis historischer Skizzen, technischer Unterlagen und Patente. Die Materialien stammen aus Kopien des Porsche-Skizzenbuchs sowie aus dem Privatarchiv der Familie Komenda. Sie dienen der historischen Einordnung dieses mehrjährigen Entwicklungsprozesses.
Kuratorin der Darstellung ist Dr. Iris Steineck.

Hinweis zum Urheberrecht:
Die vorliegende Darstellung, Strukturierung, Kommentierung und historische Einordnung stellt eine eigenständige geistige Leistung dar (§ 2 UrhG).
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Erste Eintragung – 1934 im Typenbuch (Typ 60)

Skizze 803, die Komenda am 27.8.1934 gezeichnet hatte. Die erste Zeichnung Komendas für den Volkswagen, Typ 60.
Skizze 803, die Komenda am 27.8.1934 gezeichnet hatte. Die erste Zeichnung Komendas für den Volkswagen, Typ 60.

Porsche-Registerplan – Skizze Nr. 803

 

Registervermerk (Originaltext):

 

„Betrifft erstmals den Typ 60, den Volkswagen. Erwin Franz Komenda hat diese Skizze am 27. April 1934 fertiggestellt.“

 


 

Bereits vor dem Abschluss des sogenannten RDA-Vertrags befassten sich die Ingenieure des Konstruktionsbüros Porsche intensiv mit der Entwicklung eines Volkswagens, der intern unter der Entwicklungsnummer Typ 60 geführt wurde.

 

Am 27. April 1934 erscheint der Porsche Typ 60 erstmals dokumentiert in den Unterlagen des Konstruktionsbüros. Der Registereintrag zu Skizze Nr. 803 verweist ausdrücklich auf Erwin Komenda als Urheber dieser Zeichnung.

 

Die Skizze mit der Bezeichnung „5-sitziger Großserienwagen – Typ 60“ unterscheidet sich in mehreren Punkten von der Beschreibung des Volkswagens im sogenannten Exposé von Ferdinand Porsche. Die Darstellung zeigt ein Fahrzeug mit niedrigerer Silhouette, größerer Länge und abweichenden Proportionen sowie dekorativen Elementen wie Chromleisten am Dach- und Heckbereich.

 

In den folgenden Jahren wurden zahlreiche weitere Studien und Entwurfsvarianten erarbeitet. Der dokumentierte Entwicklungsprozess erstreckte sich von 1934 bis 1938 und verdeutlicht, dass die Karosserieform des späteren VW Käfers das Ergebnis einer mehrjährigen gestalterischen und konstruktiven Ausarbeitung war.

 


 

Quellenhinweis

 

Die dargestellten Skizzen und Registervermerke basieren auf Kopien aus dem Porsche-Skizzenbuch sowie auf Materialien aus dem Privatarchiv der Familie Komenda. Die Abbildungen dienen der historischen Einordnung des Entwicklungsprozesses.

1936 - Annäherung an die Serienform

Komenda integriert Scheinwerfer in Kotflügel - Käferform entsteht: 18.1.1936
Komenda integriert Scheinwerfer in Kotflügel - Käferform entsteht: 18.1.1936

Etwa zwei Jahre nach der Skizze Nr. 803 (1934) ist in den überlieferten Unterlagen eine deutliche Annäherung an die spätere Grundform des VW Käfers erkennbar.

 

Die Formgebung des Fahrzeugs beruhte auf funktionalen Anforderungen und einem klar strukturierten Entwicklungsansatz. Das Konstruktionsbüro Porsche arbeitete arbeitsteilig mit spezialisierten Zuständigkeiten:

 

  • Josef Kales – Motor

  • Karl Fröhlich – Getriebe

  • Karl Rabe – Projektleitung und Chefkonstruktion

  • Josef Mickl – Aerodynamik und mathematische Berechnungen

  • Erwin Komenda – Karosseriekonstruktion und Formgebung

 

Ziel war die Entwicklung eines technisch einfachen, robusten und kostengünstig herstellbaren Fahrzeugs, das für den Massenmarkt geeignet war.

 


 

Funktion vor Form

 

Die runde, aerodynamische Karosserieform des späteren VW Käfers entstand nicht als eigenständiges Designobjekt, sondern als Ergebnis technischer Anforderungen, insbesondere:

 

  • Minimierung des Luftwiderstands

  • Reduktion des Kraftstoffverbrauchs

  • strukturelle Einfachheit

  • Fertigungstauglichkeit für die Großserie

 

Hierzu wurden Windkanaluntersuchungen und fortlaufende Konstruktionsanpassungen durchgeführt.

 


 

Skizze vom 18. Januar 1936 – ein Entwicklungsschritt

 

Eine Skizze vom 18. Januar 1936 dokumentiert einen weiteren wesentlichen Schritt in diesem Prozess. Sie zeigt erstmals:

 

  • in die Kotflügel integrierte Scheinwerfer

  • ein klar definiertes Heckfenster

  • eine deutlich konsolidierte Gesamtproportion

 

Diese Skizze belegt, dass Erwin Komenda über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich an der Ausarbeitung der Karosserieform arbeitete.

 


 

Geometrische Proportionen

 

In der Skizze vom 18. Januar 1936 lassen sich geometrische Proportionsverhältnisse erkennen, die in der Fachliteratur häufig mit dem sogenannten Goldenen Schnitt in Verbindung gebracht werden.

 

Dabei handelt es sich um eine mathematische Proportion, die in Architektur, Kunst und Technik verwendet wird. Ob diese Proportionen bewusst angewendet oder aus funktionalen Randbedingungen resultierten, lässt sich nicht abschließend klären; ihre Präsenz unterstreicht jedoch die hohe formale Kohärenz der Karosseriekonstruktion.

 


 

Quellenhinweis

 

Die dargestellten Skizzen und Entwicklungsstufen basieren auf Kopien aus dem Porsche-Skizzenbuch und Archiv sowie auf Materialien aus dem Privatarchiv der Familie Komenda. Sie dienen der historischen Einordnung des Entwicklungsprozesses der Karosserie des VW Käfers.

 

 

1938 – Konsolidierung der Karosserieform und dokumentierte Zwischenschritte

„Des Käfers viele Väter“ – Historischer Kontext und Rollenverteilung

Abgrenzung der Rolle Erwin Komendas

Originaldokument aus dem Prozess Barenyi gegen Porsche, 1954
Originaldokument aus dem Prozess Barenyi gegen Porsche, 1954

Patente und technische Schutzrechte

Es existieren zahlreiche Patentanmeldungen von Erwin Komenda, die sich mit konstruktiven, funktionalen und gestalterischen Aspekten des späteren VW Käfers befassen. Diese Schutzrechte wurden sowohl beim Deutsches Patent- und Markenamt als auch beim United States Patent and Trademark Office eingereicht.

Die Patente betreffen unter anderem:

  • den Aufbau der selbsttragenden Karosserie,

  • die Formgebung des Wagenkastens,

  • funktionale Lösungen im Bereich Aerodynamik und Struktur,

  • sowie konstruktive Details, die für die Serienfertigung eines Großfahrzeugs relevant waren.

Diese Patente dokumentieren, dass sich Erwin Komendas Arbeit nicht auf einzelne Skizzen oder Entwurfsstudien beschränkte, sondern systematisch technische Lösungen entwickelte, die rechtlich als schutzfähige Erfindungen anerkannt wurden.


Weiterentwicklung zum Schwimmwagen

Auf Basis dieser konstruktiven und gestalterischen Grundlagen entstanden in den Folgejahren weitere Fahrzeugtypen. Dazu zählt auch der Schwimmwagen, dessen technische Konzeption auf bestehenden Karosserie- und Strukturprinzipien aufbaute.

Auch hier lassen sich Patentanmeldungen Erwin Komendas nachweisen, die die Weiterentwicklung der Karosseriestruktur und der funktionalen Auslegung betreffen. Der Schwimmwagen stellt damit keine isolierte Neuentwicklung dar, sondern eine technische Fortführung zuvor erarbeiteter Konstruktionsprinzipien.


Einordnung

Die Patente zeigen, dass die Entwicklung des VW Käfers und seiner Derivate nicht das Ergebnis eines einmaligen Entwurfs oder eines reinen Kopiervorgangs war. Vielmehr handelte es sich um einen mehrjährigen, iterativen Entwicklungsprozess, in dem Gestaltung, Konstruktion und Funktion fortlaufend aufeinander abgestimmt wurden.

Die patentierten Lösungen bilden einen objektiv belegbaren Teil dieses Prozesses.


Quellenhinweis

Die Angaben stützen sich auf veröffentlichte Patentschriften des Deutschen Patent- und Markenamts sowie des United States Patent and Trademark Office, ergänzt durch Materialien aus Kopien des Porsche-Skizzenbuchs und dem Privatarchiv der Familie Komenda.

 

VW--Käfer Urheberrechtliche Einordnung – Urteil 2019

Im Jahr 2019 befasste sich das Landgericht Braunschweig mit der Frage,
ob der ab 2014 produzierte VW Beetle eine urheberrechtlich relevante Fortführung
historischer Karosserieentwürfe aus den 1930er-Jahren darstellt.

 


 

Kernaussage des Gerichts

 

Das Gericht stellte fest, dass die historische Karosserieform des Volkswagen aus den 1930er-Jahren
einem vorbekannten Formenschatz zuzuordnen ist.

 

Entscheidend war jedoch, dass sich die charakteristischen gestalterischen Signaturen
und die formale Entwicklungslogik dieser historischen Entwürfe
nicht im modernen VW Beetle fortsetzen.

 

Ein übereinstimmender Gesamteindruck zwischen den historischen Entwürfen
und dem Serienfahrzeug ab 2014 wurde daher verneint.

 


 

Klarstellung

 

Wichtig:
Das Urteil traf keine Aussage darüber, ob die historischen Entwürfe der 1930er-Jahre
das Ergebnis einer schöpferischen oder mehrjährigen Entwicklungsarbeit waren.

 

Gegenstand des Verfahrens war ausschließlich der Vergleich
zwischen historischen Karosserieformen und dem modernen Serienfahrzeug.

 


 

Bezug zur Entwicklungsdauer

 

Die auf dieser Website dokumentierten Skizzen, Registervermerke und Patentanmeldungen
zeigen einen mehrjährigen, iterativen Entwicklungsprozess der Karosserieform
zwischen 1934 und 1938.

 

Gerade diese dokumentierte Entwicklungsdauer und die Vielzahl formaler Varianten
stehen im Widerspruch zur Annahme eines bloßen Kopiervorgangs
oder einer rein technisch determinierten Gestaltung.

 


 

Juristische Einordnung

 

Die Bezugnahme des Gerichts auf einen „vorbekannten Formenschatz“
beschreibt den rechtlichen Prüfungsrahmen,
stellt jedoch keine Bewertung der historischen Entwicklungsleistung
oder der individuellen Ausarbeitung der Karosserieform dar.

 


 

Quelle

 

Landgericht Braunschweig, Urteil vom 2019, Az. 9 O 3006/17

 

Quellen und Materialien

– Porsche-Skizzenbuch (Kopien)
– Privatarchiv Familie Komenda
– Patente, Urteile

Käfer Entwicklungsstufen von 1934-1938