Diese Seite dokumentiert die schrittweise Entwicklung der Karosserie des VW Käfers (intern als Typ 60 bezeichnet) zwischen 1934 und 1938 auf Basis historischer Skizzen, technischer Unterlagen und
Patente. Die Materialien stammen aus Kopien des Porsche-Skizzenbuchs sowie aus dem Privatarchiv der Familie Komenda. Sie dienen der historischen Einordnung dieses mehrjährigen
Entwicklungsprozesses.
Kuratorin der Darstellung ist Dr. Iris Steineck.
Hinweis zum Urheberrecht:
Die vorliegende Darstellung, Strukturierung, Kommentierung und historische Einordnung stellt eine eigenständige geistige Leistung dar (§ 2 UrhG).
Auch bei Verwendung öffentlich zugänglicher Quellen liegt das Urheberrecht an Auswahl, Gewichtung, Kommentierung und Darstellung bei der Autorin.
Seitenstruktur:
1938 – weiterentwickelte Form / spätere Studien und Entwicklungen
VW-Käfer/New Beetle: Urheberrechtliche Einordnung – Urteil 2019
Quellenhinweis

Registervermerk (Originaltext):
„Betrifft erstmals den Typ 60, den Volkswagen. Erwin Franz Komenda hat diese Skizze am 27. April 1934 fertiggestellt.“
Bereits vor dem Abschluss des sogenannten RDA-Vertrags befassten sich die Ingenieure des Konstruktionsbüros Porsche intensiv mit der Entwicklung eines Volkswagens, der intern unter der Entwicklungsnummer Typ 60 geführt wurde.
Am 27. April 1934 erscheint der Porsche Typ 60 erstmals dokumentiert in den Unterlagen des Konstruktionsbüros. Der Registereintrag zu Skizze Nr. 803 verweist ausdrücklich auf Erwin Komenda als Urheber dieser Zeichnung.
Die Skizze mit der Bezeichnung „5-sitziger Großserienwagen – Typ 60“ unterscheidet sich in mehreren Punkten von der Beschreibung des Volkswagens im sogenannten Exposé von Ferdinand Porsche. Die Darstellung zeigt ein Fahrzeug mit niedrigerer Silhouette, größerer Länge und abweichenden Proportionen sowie dekorativen Elementen wie Chromleisten am Dach- und Heckbereich.
In den folgenden Jahren wurden zahlreiche weitere Studien und Entwurfsvarianten erarbeitet. Der dokumentierte Entwicklungsprozess erstreckte sich von 1934 bis 1938 und verdeutlicht, dass die Karosserieform des späteren VW Käfers das Ergebnis einer mehrjährigen gestalterischen und konstruktiven Ausarbeitung war.
Die dargestellten Skizzen und Registervermerke basieren auf Kopien aus dem Porsche-Skizzenbuch sowie auf Materialien aus dem Privatarchiv der Familie Komenda. Die Abbildungen dienen der historischen Einordnung des Entwicklungsprozesses.

Etwa zwei Jahre nach der Skizze Nr. 803 (1934) ist in den überlieferten Unterlagen eine deutliche Annäherung an die spätere Grundform des VW Käfers erkennbar.
Die Formgebung des Fahrzeugs beruhte auf funktionalen Anforderungen und einem klar strukturierten Entwicklungsansatz. Das Konstruktionsbüro Porsche arbeitete arbeitsteilig mit spezialisierten Zuständigkeiten:
Josef Kales – Motor
Karl Fröhlich – Getriebe
Karl Rabe – Projektleitung und Chefkonstruktion
Josef Mickl – Aerodynamik und mathematische Berechnungen
Erwin Komenda – Karosseriekonstruktion und Formgebung
Ziel war die Entwicklung eines technisch einfachen, robusten und kostengünstig herstellbaren Fahrzeugs, das für den Massenmarkt geeignet war.
Die runde, aerodynamische Karosserieform des späteren VW Käfers entstand nicht als eigenständiges Designobjekt, sondern als Ergebnis technischer Anforderungen, insbesondere:
Minimierung des Luftwiderstands
Reduktion des Kraftstoffverbrauchs
strukturelle Einfachheit
Fertigungstauglichkeit für die Großserie
Hierzu wurden Windkanaluntersuchungen und fortlaufende Konstruktionsanpassungen durchgeführt.
Eine Skizze vom 18. Januar 1936 dokumentiert einen weiteren wesentlichen Schritt in diesem Prozess. Sie zeigt erstmals:
in die Kotflügel integrierte Scheinwerfer
ein klar definiertes Heckfenster
eine deutlich konsolidierte Gesamtproportion
Diese Skizze belegt, dass Erwin Komenda über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich an der Ausarbeitung der Karosserieform arbeitete.
In der Skizze vom 18. Januar 1936 lassen sich geometrische Proportionsverhältnisse erkennen, die in der Fachliteratur häufig mit dem sogenannten Goldenen Schnitt in Verbindung gebracht werden.
Dabei handelt es sich um eine mathematische Proportion, die in Architektur, Kunst und Technik verwendet wird. Ob diese Proportionen bewusst angewendet oder aus funktionalen Randbedingungen resultierten, lässt sich nicht abschließend klären; ihre Präsenz unterstreicht jedoch die hohe formale Kohärenz der Karosseriekonstruktion.
Die dargestellten Skizzen und Entwicklungsstufen basieren auf Kopien aus dem Porsche-Skizzenbuch und Archiv sowie auf Materialien aus dem Privatarchiv der Familie Komenda. Sie dienen der historischen Einordnung des Entwicklungsprozesses der Karosserie des VW Käfers.

Es existieren zahlreiche Patentanmeldungen von Erwin Komenda, die sich mit konstruktiven, funktionalen und gestalterischen Aspekten des späteren VW Käfers befassen. Diese Schutzrechte wurden sowohl beim Deutsches Patent- und Markenamt als auch beim United States Patent and Trademark Office eingereicht.
Die Patente betreffen unter anderem:
den Aufbau der selbsttragenden Karosserie,
die Formgebung des Wagenkastens,
funktionale Lösungen im Bereich Aerodynamik und Struktur,
sowie konstruktive Details, die für die Serienfertigung eines Großfahrzeugs relevant waren.
Diese Patente dokumentieren, dass sich Erwin Komendas Arbeit nicht auf einzelne Skizzen oder Entwurfsstudien beschränkte, sondern systematisch technische Lösungen entwickelte, die rechtlich als schutzfähige Erfindungen anerkannt wurden.
Auf Basis dieser konstruktiven und gestalterischen Grundlagen entstanden in den Folgejahren weitere Fahrzeugtypen. Dazu zählt auch der Schwimmwagen, dessen technische Konzeption auf bestehenden Karosserie- und Strukturprinzipien aufbaute.
Auch hier lassen sich Patentanmeldungen Erwin Komendas nachweisen, die die Weiterentwicklung der Karosseriestruktur und der funktionalen Auslegung betreffen. Der Schwimmwagen stellt damit keine isolierte Neuentwicklung dar, sondern eine technische Fortführung zuvor erarbeiteter Konstruktionsprinzipien.
Die Patente zeigen, dass die Entwicklung des VW Käfers und seiner Derivate nicht das Ergebnis eines einmaligen Entwurfs oder eines reinen Kopiervorgangs war. Vielmehr handelte es sich um einen mehrjährigen, iterativen Entwicklungsprozess, in dem Gestaltung, Konstruktion und Funktion fortlaufend aufeinander abgestimmt wurden.
Die patentierten Lösungen bilden einen objektiv belegbaren Teil dieses Prozesses.
Die Angaben stützen sich auf veröffentlichte Patentschriften des Deutschen Patent- und Markenamts sowie des United States Patent and Trademark Office, ergänzt durch Materialien aus Kopien des Porsche-Skizzenbuchs und dem Privatarchiv der Familie Komenda.
Im Jahr 2019 befasste sich das Landgericht Braunschweig mit der Frage,
ob der ab 2014 produzierte VW Beetle eine urheberrechtlich relevante Fortführung
historischer Karosserieentwürfe aus den 1930er-Jahren darstellt.
Das Gericht stellte fest, dass die historische Karosserieform des Volkswagen aus den 1930er-Jahren
einem vorbekannten Formenschatz zuzuordnen ist.
Entscheidend war jedoch, dass sich die charakteristischen gestalterischen Signaturen
und die formale Entwicklungslogik dieser historischen Entwürfe
nicht im modernen VW Beetle fortsetzen.
Ein übereinstimmender Gesamteindruck zwischen den historischen Entwürfen
und dem Serienfahrzeug ab 2014 wurde daher verneint.
Wichtig:
Das Urteil traf keine Aussage darüber, ob die historischen Entwürfe der 1930er-Jahre
das Ergebnis einer schöpferischen oder mehrjährigen Entwicklungsarbeit waren.
Gegenstand des Verfahrens war ausschließlich der Vergleich
zwischen historischen Karosserieformen und dem modernen Serienfahrzeug.
Die auf dieser Website dokumentierten Skizzen, Registervermerke und Patentanmeldungen
zeigen einen mehrjährigen, iterativen Entwicklungsprozess der Karosserieform
zwischen 1934 und 1938.
Gerade diese dokumentierte Entwicklungsdauer und die Vielzahl formaler Varianten
stehen im Widerspruch zur Annahme eines bloßen Kopiervorgangs
oder einer rein technisch determinierten Gestaltung.
Die Bezugnahme des Gerichts auf einen „vorbekannten Formenschatz“
beschreibt den rechtlichen Prüfungsrahmen,
stellt jedoch keine Bewertung der historischen Entwicklungsleistung
oder der individuellen Ausarbeitung der Karosserieform dar.
Landgericht Braunschweig, Urteil vom 2019, Az. 9 O 3006/17
– Porsche-Skizzenbuch (Kopien)
– Privatarchiv Familie Komenda
– Patente, Urteile
QUELLEN:
– Porsche-Skizzenbuch (Kopien)
– Privatarchiv Familie Komenda
– Patente, Urteile
OLG Stuttgart, Urteil vom 03.03.2023 (Porsche 356)
© Dr. Iris Steineck, Wien. Alle Rechte vorbehalten.
Die Inhalte dieser Website – insbesondere Texte, Analysen, historische Einordnungen und Zusammenstellungen – sind urheberrechtlich geschützt.
Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung der Autorin.
Dies gilt insbesondere für Vervielfältigung, Veröffentlichung, Übernahme in Datenbanken, KI-Trainingssysteme, Webseiten, Social-Media-Plattformen sowie für journalistische oder kommerzielle Nutzung.
Unterstützung der unabhängigen Forschungs- und Archivarbeit
Diese Website ist das Ergebnis jahrelanger unabhängiger historischer Recherche, Archivarbeit und Zeitzeugeninterviews.
Wenn Sie diese Arbeit unterstützen möchten, können Sie dies freiwillig über PayPal tun.