Porsche 356 – Entwicklung und Gestaltung 1946–1948

Diese Seite dokumentiert die Entwicklung des Porsche 356, des ersten Serienfahrzeugs der Marke Porsche, in der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Im Mittelpunkt steht die Gestaltung der Karosserie sowie der Übergang von frühen Entwurfsstudien zur Serienfertigung.

Die Darstellung stützt sich auf zeitgenössische Zeichnungen, Prototypen, technische Unterlagen und historische Quellen.

 

Urheberrechtliche Einordnung der Formgebung des Porsche 356

"Die Formgebung des Porsche 356 stammt von Erwin Komenda und ist als Werk der angewandten Kunst urheberrechtlich anerkannt." Quelle: Urheberrechtliche Ansprüche eines Konstrukteurs der Porsche AG, 26. Juli 2021.


Kuratorin der Seite: Dr. Iris Steineck.

Hinweis zum Urheberrecht:
Die vorliegende Darstellung, Strukturierung, Kommentierung und historische Einordnung stellt eine eigenständige geistige Leistung dar (§ 2 UrhG).
Auch bei Verwendung öffentlich zugänglicher Quellen liegt das Urheberrecht an Auswahl, Gewichtung, Kommentierung und Darstellung bei der Autorin.

 

Rolle von Erwin Komenda 

Der erste Serien-Porsche: Ferry Porsche (Mitte), sein Vater Ferdinand Porsche (rechts) und Erwin Komenda (links) 1948 vor dem 356 Nummer eins in Gmünd. Die Karosserie konstruierte Komenda.
Der erste Serien-Porsche: Ferry Porsche (Mitte), sein Vater Ferdinand Porsche (rechts) und Erwin Komenda (links) 1948 vor dem 356 Nummer eins in Gmünd. Die Karosserie konstruierte Komenda.

Erwin Komenda war im Konstruktionsbüro Porsche als Leiter der Karosseriekonstruktion tätig. In dieser Funktion arbeitete er an der Ausarbeitung der äußeren Form des Porsche 356.

 

Zeitgenössische Skizzen und Dokumente belegen seine kontinuierliche Beteiligung an der Karosseriegestaltung. Die Entwicklung erfolgte als iterativer Prozess, in dem Proportionen, Linienführung und funktionale Anforderungen fortlaufend angepasst wurden.

 

Erwin Komenda war nicht nur an der Gestaltung der Karosserie beteiligt, sondern auch an technischen Lösungen sowie an der kalkulatorischen Vorbereitung der Serienproduktion.

In dieser Funktion gehörte er zu den maßgeblichen Entscheidungsträgern, die die Voraussetzungen dafür schufen, dass der Porsche 356 dauerhaft in Stuttgart produziert werden konnte.

 

Quelle: Privat: Gmünd Skizze 1947/1946: Skizzen und Entwurfszeichnungen für einen leichten Sportwagen.
Die Karosserie sollte:

  • kompakt und leicht sein

  • aerodynamisch günstig ausgeführt werden

  • funktionale Anforderungen klar abbilden

Die Gestaltung des Porsche 356 entwickelte sich schrittweise und nicht in einem einzelnen Entwurf.

 

1947 – Karosserieentwurf und erster Prototyp

Im Jahr 1947 wurde das Projekt konkretisiert. Am 11. Juni 1947 begann offiziell die Ausarbeitung des Fahrzeugs, das später als Porsche 356 bekannt wurde. In den folgenden Wochen wurden Rahmen und Karosserie konstruktiv ausgearbeitet. Der erste fahrfähige Prototyp (später als 356/1 bezeichnet) entstand als offener Zweisitzer mit Aluminiumkarosserie.

 

Porsche 356 - Der Beginn der Legende, 1948 Gmünd.

Der Weg in die Serienproduktion

 

1948 begann in Gmünd die Fertigung erster Fahrzeuge in Kleinserie.

Die Grundform der Karosserie wurde konsolidiert und für unterschiedliche Varianten angepasst.

Mit der Verlagerung der Produktion nach Stuttgart ab 1949 entwickelte sich der Porsche 356 schrittweise zum Serienfahrzeug.

 

Der Porsche 356 wurde ab 1948 als Coupé und Cabriolet produziert; die Serienfertigung begann 1950 in Stuttgart. Angebote zur Serienproduktion wurden eingeholt.

Frühe Fahrzeuge nutzten noch VW-Technik, bevor Porsche ab 1952 eigene Getriebekonstruktionen einsetzte.

In-house memorandum regarding the manufacturing costs of the Porsche 356 in Germany.  The memorandum was received by Professor Porsche, Ferry Porsche, Dr Piech, authorised company representative Hans Kern and Erwin Komenda.
In-house memorandum regarding the manufacturing costs of the Porsche 356 in Germany. The memorandum was received by Professor Porsche, Ferry Porsche, Dr Piech, authorised company representative Hans Kern and Erwin Komenda.

Interne Kostenkalkulation (Hausmitteilung) vom 31.05.1949
Das Dokument zeigt eine unternehmensinterne Übersicht über die vorgesehenen Fertigungskosten des Porsche-Sportwagens Typ 356 bei einer geplanten Produktion in Deutschland. Verglichen werden Kalkulationen der Karosserie-/Fertigungspartner Drauz, Reutter und Binz.
Bemerkenswert ist, dass Erwin Komenda im Verteiler genannt wird und die Kostenaufstellung „Fahrgestell ohne Rahmen“ laut Schreiben nach Rücksprache u. a. mit Komenda erstellt wurde. Das Dokument belegt damit Komendas Einbindung in die organisatorisch-technische Vorbereitung der Serienfertigung – unabhängig von der späteren urheberrechtlichen Einordnung der äußeren Gestaltung.

Rückkehr nach Stuttgart und Start der Evolution des Porsche 356: von A zu B nach C

Der Porsche 356 aus dem Jahr 1948 bildet den Ausgangspunkt einer durchgehenden Karosserielinie, die von Erwin Komenda entwickelt und über Jahre hinweg weitergeführt wurde.
Die einzelnen Modellstufen zeigen dabei weniger Brüche als vielmehr feine Verschiebungen innerhalb derselben formalen Grundidee.

 

Mit dem 356 A ab 1955 war diese Linie konstruktiv gefestigt. Proportionen, Dachverlauf, Fensterflächen und Heckform hatten eine Reife erreicht, die weitere Entwicklungen zuließ, ohne den Charakter des Fahrzeugs zu verändern.

 

Der 356 B ab 1959 brachte technische Anpassungen, während parallel interne Versuchsfahrzeuge entstanden. Modelle wie T7, T8 und T9 dienten dazu, Radstand, Raumangebot und Form weiterzudenken. Besonders beim T7 wird sichtbar, wie sich die Linie nach vorne öffnet: Die Front nähert sich bereits der späteren 911-Form an, während das Heck noch variabel bleibt.

 

 

 Mit dem 356 C erreichte die Baureihe Anfang der 1960er-Jahre ihre ausgereifte Form: technisch verfeinert, gestalterisch konsolidiert und am Ende ihrer konstruktiven Möglichkeiten.

 Porsche 356 SC im Auto- und Technikmuseum Sinsheim https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Porsche_356_SC_1964.jpg  LSDSL, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
Porsche 356 SC im Auto- und Technikmuseum Sinsheim https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Porsche_356_SC_1964.jpg LSDSL, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

356 C: Letzte Ausbaustufe (ab Ende 1963)

Der Porsche 356 C wurde ab Ende 1963 produziert. Äußerlich unterscheidet er sich nur in Details vom 356 B (z. B. Leuchten/Anbauteile je nach Ausführung). Technisch markiert er einen deutlichen Schritt durch die serienmäßige Ausstattung mit Scheibenbremsen (ATE-Bremsen nach Dunlop-Lizenz) sowie damit verbundene Änderungen (u. a. Felgen-/Radschüssel-Formen).

 

 

Würdigung von KomendaS Leistung

Das folgende Video zeigt Kommentare des Automobilhistorikers Karl Ludvigsen zur gestalterischen Kontinuität des Porsche 356 und zur Rolle von Erwin Komenda. Er ordnet die Rolle von Erwin Komenda bei der Formgebung ein und verweist auf die zeitlose Wirkung der frühen Entwürfe, insbesondere des Porsche 356.
Aussagen von Ferry Porsche im Video Timelessness unterstreichen die Bedeutung des ersten Porsche von 1948 als gestalterische Grundlage für spätere Modelle.